Projekte
Kinderpatenschaften
Im August 2002 begegneten wir in einer Halbwüstenlandschaft in der Region Adraskan dem neunjährigen Jungen Babadil. Er war dabei, mit einer kleinen Schaufel Wurzeln aus der Erde zu graben, um diese dann an der Straße als Brennmaterial zu verkaufen. Seine Hände waren von der Arbeit ganz wund und kaputt.
In der Unterhaltung kam heraus, dass Babadil täglich von 6.00 Uhr morgens
bis 18.00 Uhr abends arbeitete, mit nur einem Stück Brot und einer Flasche
Wasser als Verpflegung, die ihm seine Mutter am Abend gerichtet hatte. Von dem
kargen Erlös aus dem Verkauf der Wurzeln – umgerechnet 30-40 Cent – musste
er die Mutter und die drei jüngeren Geschwister ernähren.
Nach dieser Begegnung überlegten wir, wie wir Babadil nicht nur Kleidung
und Nahrung geben könnten, sondern auch eine Zukunftsperspektive. Deshalb
nahmen wir ihn als Patenkind in der DAI auf und unterstützten ihn – und
somit auch seine Familie – mit 20 Euro monatlich. Wir brachten ihn in der
ersten Klasse einer Schule unter, die 15 km von den Zelten seiner Familie entfernt
lag. Um ihm den langen Weg zur Schule und zurück zu erleichtern, kauften
wir ihm einen Esel.
Als wir Babadil vier Monate später auf unserer nächsten Fahrt nach
Afghanistan wiedertrafen, stand ein Junge vor uns, der uns stolz präsentierte,
dass er lesen und schreiben gelernt hatte.
Mit der Patenschaft eröffnete sich dem Jungen eine Welt, die für ihn
vorher unvorstellbar war. Das Patenschaftsgeld veränderte nicht nur sein
Leben, sondern auch das seiner ganzen Familie.
Damit waren wir in unserer Idee der Patenschaften für Kinder in Afghanistan
bestärkt: Schon mit 20 oder 30 Euro monatlich ist es möglich, einem afghanischen Kind
Bildungschancen und damit eine Zukunftsperspektive zu geben.
Inzwischen unterhält die DAI insgesamt über 200 Patenschaften in und bei Herat, in der Schomali-Ebene und einige in Kabul. Die Patenschule von Balaghel, die Freiburger Lessing-Realschule hat allein 10 Patenschaften übernommen. Auch im Rahmen des Stickprojekts wurden Schülerpatenschaften in Laghmani übernommen. Der Bedarf ist jedoch weiterhin groß, da viele Familien nur von der Gelegenheitsarbeit der Väter leben und Schulbesuch deshalb oft ein Luxus ist, da die Kinder dann nicht mehr dazu verdienen können.
Selbstverständlich wird auch der Schulbesuch überprüft, gelegentlich werden auch Kinder wegen Änderung der wirtschaftlichen Lage oder anderen Gründen (Heirat!) ausgetauscht.