Wir trauern um Rateb Azimi

Rateb ist nicht mehr unter uns, nicht mehr bei uns. Die Nachricht von seinem Tod hat uns zutiefst erschüttert und sehr, sehr traurig gemacht. Seit vielen Jahren sind viele von uns mit Rateb verbunden, haben ihn über alles geschätzt in seiner Güte, Klugheit, in seinem unermüdlichen Einsatz für seine Heimat, die Menschen seines geliebten Afghanistan, für die er sich so unermüdlich, tatkräftig und erfolgreich eingesetzt hat. Er war stets ein Vorbild für uns alle, dem wir nachzueifern bemüht waren. Er war immer einsatzbereit, auch unter schwersten Umständen, auch wenn er gesundheitlich oft sehr beeinträchtigt war.

Er hat unglaublich viel für die Menschen in Afghanistan getan. Wenn er Not sah, suchte er nach einer Möglichkeit zu helfen und ruhte nicht, bis er endlich die Unterstützung fand, die nötig war. Der Mensch stand für ihn im Mittelpunkt, unabhängig davon, welcher Volksgruppe, religiösen Gruppierung, welcher sozialen Schicht jemand angehörte. Nie werden wir vergessen, wie er 2 Jungen half, die er als Ausgesetzte und Verlassene an der Straße gefunden hatte. Seine Menschlichkeit sorgte dafür, dass sie über Jahre als Mitmenschen ein auskömmliches und gutes Leben führen konnten. Eine Vielzahl von Projekten hat Rateb angestoßen, sie gefördert, immer wieder aufgesucht und sich um ihren Fortschritt bemüht. Seine besondere Zuwendung fanden die Kinder, die oft benachteiligten Frauen, die Nomaden in ihrer Existenzbedrohung. Unermüdlich suchte er während seiner alljährlichen Aufenthalte nach Hilfsmöglichkeiten, knüpfte viele Kontakte, führte Verhandlungen. In Herat war er eine hochgeachtete und beliebte Persönlichkeit.

Viele von uns durften, wenn sie in Herat waren, Gast in seinem wunderbaren Haus sein, seine Gastfreundschaft genießen. Stets war er dann bemüht, uns auch etwas von der Vielfalt, der Schönheit und der Kultur seines Landes zu vermitteln. Er war stolz auf dieses Land und seine Kultur und traurig über den Niedergang, den es über viele Jahre hatte erleiden müssen.

Rateb war ein hochgebildeter Mann, bewandert in seiner eigenen Kultur genauso wie in der deutschen. Er war interessiert am Weltgeschehen, stets ein guter und vielseitig gebildeter und kenntnisreicher Gesprächspartner. Und er konnte wunderbar Geschichten erzählen, treffend, witzig und pointiert. Für viele Situationen und Vorkommnisse hatte er eine Anekdote, einen Spruch, ein Zitat bereit. Es war ein Vergnügen, sich mit ihm zu unterhalten. Er war ein liebenswerter Mensch.

Rateb war ein tiefreligiöser Mensch, kritisch durchaus, dennoch gläubig. Das tat wohl in einer Situation, die in diesem Land über Jahrzehnte bis heute durch religiösen Fanatismus und Engstirnigkeit gekennzeichnet war und ist.

Nun hat er uns verlassen müssen. Aber er wird in unseren Gedanken, in unserem Herzen weiterleben, uns Führung und Vorbild sein. Wir sind ihm dankbar. Und viele, denen er geholfen hat, werden es auch sein. Er hat ein erfülltes Leben geführt. Wir werden ihn nicht vergessen.