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Auf einen Blick

Foto: Zerstörtes altes Schulgebäude
Foto: Neue Schulgebäude in Laghmani

Ort

Laghmani, ca. 70 km nördlich von Kabul
 

Status

Bau abgeschlossen,
Schulpatenschaft läuft
 

Ansprechpartner

Naser Nazari
 

DAI aktuell
Laghmani-Schule

(Pdf, 531 kb)
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Weitere Info

www.caritas-
international.de

Neubau Schule Laghmani

Im April 2004 bezogen über 2.000 Schülerinnen und Schüler des Dorfes Laghmani bei Charikar/Afghanistan ihre neue Schule. Zwei prächtige Gebäude, jedes mit  16 Klassenzimmern und 2 Nebenräumen, stehen an dem Platz, wo noch zwei Jahre zuvor nur Zelte und Unterstände aus Zweigen inmitten verminten Gebietes notdürftig  Unterricht ermöglicht hatten. 2008 kam ein weiteres Gebäude hinzu, das nötig geworden ist, weil ab dem Schuljahr 2009 auch die Mädchen bis zum Abitur geführt werden können.

Impressionen - Neubau Laghmanischule
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Dass diese Änderung der Verhältnisse in so kurzer Zeit möglich war, ist auch und ganz wesentlich dem Montessori Zentrum Angell in Freiburg und seinen tatkräftigen und engagierten SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen zu verdanken. Und natürlich besonders dem unermüdlichen Einsatz von Frau Klute-Wetterauer, die von Anbeginn an das Projekt einer Patenschaft von Angell für die Laghmani Schule gefördert hat, und Frau Herfort und ihren Nachfolgern Frau Schröder-Laube und Herrn Beer, die sich immer wieder einfallsreich und überzeugend für die afghanische Schule und die Kinder dort eingebracht haben.


Die Schomali-Ebene zwischen Kabul und Charikar ist eine teilweise sehr fruchtbare und für afghanische  Verhältnisse üppige Landschaft. Not sollte hier eigentlich nicht herrschen. Was man allerdings 2002 vorfand, war verheerend. Die Kriegsparteien hatten sich hier in über 20 Jahren ausgetobt, keinen Stein auf dem anderen gelassen, das gesamte Land vollkommen vermint. Dörfer und Städte bestanden fast nur aus Ruinen, die Menschen waren nach Pakistan oder in den Iran geflohen und kehrten angesichts der unsicheren Bedingungen nur zögerlich zurück. Jede Familie hatte ihre Toten. Viele Familien bestanden nur noch aus Witwen und Waisen.

Die frühere Laghmani-Schule war ein Trümmerhaufen. Die Mädchen, die jetzt wieder oder erstmals die Schule besuchen durften, wurden in einer Ruine und im Garten eines Privathauses unterrichtet, die Jungen hockten in selbst gebauten Unterständen, die man gegen Sonne und Wind errichtet hatte, oder in Zelten. Auf drei Seiten des Schulgeländes lagen die rotweißen Steine, die das verminte Land abgrenzten. Dass Unterricht unter solchen Bedingungen gehalten werden konnte, hatten die Besucher aus Deutschland nicht geahnt. Sofort war klar, dass hier geholfen werden musste. Erste Hilfsnahmen wurden ergriffen, Verhandlungen mit Ministerien, Minenräumbehörde, Schulleitern begannen. In Freiburg suchten wir – erfolgreich! – die Hilfe von Caritas international. Und nach Darlegung der Verhältnisse machte sich Frau Klute-Wetterauer dafür stark, dass das Montessori Zentrum Angell eine Patenschaft für die Laghmani- Schule übernimmt.

Das Übrige ist eine Erfolgsgeschichte. Die Minen wurden geräumt, ein Architekt wurde gewonnen, Pläne wurden erstellt. Schnell freilich stellte sich heraus, dass die Schule viel größer werden musste als ursprünglich gedacht. Laufend kehrten Flüchtlinge zurück, die Zahl der erstmals angemeldeten Mädchen überstieg  alle Erwartungen. Aus einem ursprünglich kleinen Projekt wurde ein großes, das nur mit Hilfe der unglaublich tatkräftigen Hilfe der Eltern, Lehrer und Schüler von Angell bewältigt werden konnte. Mehr als ein Zehntel der Baukosten wurden so von einer einzigen Schule aufgebracht. Eine bewundernswerte Leistung!

Als Partner wurde noch die französische Hilfsorganisation GERES gewonnen, die dafür sorgte, dass ein ganz besonderer und allgemein bewunderter Bau entstand. Beide Schulgebäude wurden in Passivenergiebauweise errichtet. Durch spezielle Maßnahmen wurde erreicht, dass jetzt die Dämmung so gut ist, dass im Winter die Innentemperatur 7 Grad höher ist als draußen, im Sommer aber 7 Grad niedriger. Man muss wissen: afghanische Schulen haben keine Heizung, keinen Strom. Die Laghmani- Schule kann aber auch zu Zeiten genutzt werden, in denen es anderswo noch zu kalt in den Räumen ist.

Die Einweihung der Schule im April 2004 war ein großes Ereignis. Der festlich gekleidete Chor der Mädchen empfing den Gouverneur der Provinz Parvan und den stellvertretenden Schulminister und viele andere Ehrengäste. Reden wurden gehalten, in deren Mittelpunkt stets der Dank an diejenigen stand, die diesen Bau ermöglicht hatten. Gebührend wurde die Leistung der deutschen Patenschule gewürdigt. Herr Adler wies für die DAI und die Angellschulen auf die Möglichkeiten  hin, die durch die Laghmani- Schule die jungen Menschen in und bei Laghmani nun haben, vor allem aber die Mädchen, die nun, mit den Jungen gleichgestellt, bessere Chancen für ein selbstbestimmtes Leben haben können.
Inzwischen ist die Schule mit ihrem schönen Vorgarten ein beliebter Anziehungspunkt der Gegend geworden. Alle Vorüberfahrenden – die einzige Verbindung nach Norden führt hier vorbei  - schauen bewundernd auf die großen schönen Gebäude. Viele halten an und fragen nach Einzelheiten.

Inzwischen hat der Gouverneur auch den bei der Einweihung versprochenen Brunnen bauen lassen, so dass jetzt Trinkwasser vorhanden ist. Eine Laborausrüstung für die naturwissenschaftlichen Fächer konnte beschafft werden. Geflieste Toiletten wurden erbaut, ein Wächterhäuschen errichtet, ein Sportplatz angelegt. Das Konzept zur Einrichtung einer IT-Klasse für Mädchen und Jungen ist in Planung. Das größte Kopfzerbrechen macht allerdings noch die Energieversorgung dafür. Etwas anderes als alternative Energien ist kaum vorstellbar, übersteigt aber derzeit die finanziellen Möglichkeiten der DAI.
Die patenschaftliche Unterstützung einzelner SchülerInnen hat einen beträchtlichen Umfang erreicht.. Ohne Hilfe von uns Deutschen würden es sich manche Familien – fast nur Witwen und Waisen! – nicht leisten können, ihre Kinder die Schule besuchen zu lassen, weil diese zum Lebensunterhalt beitragen müssen. Wir suchen also weiter Einzelpaten, die mit 20 € monatlich eine Kind bzw. eine Familie unterstützen.

Trotzdem: eine große Leistung ist vollbracht. Das Montessori Zentrum Angell hat in bewundernswerter Weise dazu beigetragen, dass inzwischen über 3000 Schüler und Schülerinnen in angemessener und menschenwürdiger Form unterrichtet werden können. In vorbildlicher Weise ist die Schulgemeinschaft von Angell der sozialen Verantwortung gerecht geworden, die unsere wohlhabende Welt gegenüber den Menschen anderswo hat, denen es aus vielerlei Gründen, die sie meist nicht verursacht haben, sehr viel schlechter geht als uns. Schulbildung ist die Hoffnung und die Chance der jungen Menschen in solchen Ländern wie Afghanistan. Nur die Jugend kann auf Dauer mit verbesserter Bildung die Verhältnisse insgesamt ändern. Dies gilt in besonderer Weise für die Mädchen und Frauen. Die Schulgemeinschaft des Montessori Zentrums Angell kann stolz sein.

 

Daten der Schule (2004)

Jungen : 1520 mit 36 Lehrern, 8 Aufsehern. Die größte Klasse hat 55 Schüler. In Klasse 12 sind 35 Schüler


Mädchen: 500 mit je 6 Lehrern/-innen und 2 Aufsehern. Höchste Klasse z.Zt. die 5. In der 5. Stufe gibt es nur eine Klasse, in der 1. aber bereits fünf.

 

Daten der Schule (2008)

Jungen: 1750 in 33 Klassen mit 44 Lehrern. Die Klassenstärken liegen noch immer über 40. Etwa 100 Schüler legen jährlich das Abitur ab.


Mädchen: 800 in 21 Klassen (bis Stufe 8) mit 15 Lehrerinnen und 23 Lehrern, Künftig auch Klassen 9-12.

 

Der Verdienst eines Lehrers ist derzeit 3500 Afghani, was etwa 70 $ entspricht. Das ist für die meist großen Familien sehr wenig, so dass verständlicherweise Nebenerwerb (Taxi, Landwirtschaft) nötig ist. Das Interesse und Engagement der Lehrer an der Schule ist naturgemäß etwas reduziert. Ein Schulleiter erhält etwa 10 $ mehr. Auch das reicht nicht. (Die schlechte Bezahlung der Lehrer, Polizisten, Staatsbeamten, Soldaten ist übrigens ein Grund für das Erstarken anderer Kräfte und die schlechte Moral der Unterbezahlten).

 

Stundentafel für die Abschlussklasse 12:

Dari 4, Paschtu 2, Englisch 4, Mathematik 3, Geometrie 1, Logik 2, Biologie, Chemie, Physik je 3, Erdkunde 3, Geschichte 2, Sport 1, Religion 2. Bildende Kunst wird nur bis Klasse 6 unterrichtet.

 

In einigen Klassenstufen gibt es Arabisch, Koran, Koranübersetzung, Gesundheitslehre und Landwirtschaftslehre.
 
 

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