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Nothilfe 1

1. Afghanistan-Nothilfe der Deutsch-Afghanischen-Initiative e.V. (12.2001 – 01.2002)

Ende Mai kehrten 3 Mitarbeiter der Initiative von der 2. Nothilfeaktion aus Afghanistan nach Freiburg zurück. Massoud Farhatyar und Irenäus Matuschik, die schon im Rahmen der 1. Nothilfe in Afghanistan unterwegs waren, schloss sich noch Jörg Luthardt an. In Herat beteiligte sich noch Rateb Azimi, erster Vorsitzender der Initiative, an den Hilfsaktionen. Im Folgenden ihr Bericht:


Nach dem bewährten Schema der ersten Nothilfe wurden im Vorfeld in Deutschland Sachspenden, in Form von Schulartikeln und medizinischen Hilfs­materi­alien, gesammelt und per LKW nach Afghanistan geschickt. Im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit Caritas international wurden uns Gelder in Höhe von rund 160 000 Euro zur Verfügung gestellt. Damit haben wir in Mashad, Iran, 230 Tonnen Nahrungs­mittel (Reis, Kichererbsen, Speiseöl, Datteln, Tomatenmark und Milchpulver) und 3 Tonnen Saatgut, sowie 10 t Seife eingekauft. Nach Sichtung der Situation im Zielgebiet haben wir uns entschieden diese Menge um 100 t Getreide, 3 t Zucker und eine Tonne Tee aufzustocken. Alle Mitarbeiter waren ehrenamtlich, d.h. auf eigene Kosten unterwegs.


Aufgrund von Rücksprachen mit verschiedenen Internationalen Hilfsorganisationen (World Vision, IOM und DAC) vor Ort, sowie afghanischen Behörden in Herat, haben wir ein Gebiet im Süden Herats für unsere Verteilung vorgesehen. Es handelt sich um den Distrikt Adreskan, der bisher nicht durch internationale Organisationen unterstützt wurde. Durch eine Reise in die Region haben wir uns zunächst ein Bild von den momentanen Lebensbedingungen der BewohnerInnen verschafft: Die Lebensmittelversorgung war unzulänglich, das Bildungssystem im ersten Aufbau und die medizinische Situation katastrophal. Die unzureichende Sicherheitssituation sowie die Unzugänglichkeit der Region ließen klar werden, weshalb dieses Gebiet bislang von internationaler Hilfe ausgeschlossen blieb.


In Adreskan haben wir zunächst mit dem zuständigen Gouverneur, der sich als sehr kompetent und koope­rativ erwies, auf der Grundlage einer detaillierten Karte eine Liste der bedürftigen Bevölkerung in den einzelnen Siedlungen erstellt. Diese Liste wurde zur Kontrolle mit den Mitgliedern der Schura abgesprochen. Nach mehreren Besprechungen mit Gouverneur und Schuramitgliedern waren die Listen fertiggestellt und die Verteilung konnte beginnen. Aufgrund des gänzlich unzureichenden Wegesystems und der lockeren Streuung der Siedlungen und Nomadenlager erwies sich die Verteilung als schwierig. Unsere Gruppe, die einschließlich afghanischer Mitarbeiter aus insgesamt neuen Personen bestand, teilte sich in drei Einsatzgruppen auf, die jeweils durch Fahrer und zusätzliche Helfer aus dem Zielgebiet unterstützt wurden.


Gedauert hat die Hilfsgutdistribution rund zwei Wochen. Erreicht haben wir rund 60 000 Menschen (von insgesamt rund 110 000) in insgesamt 249 Dörfern und Nomadenlagern. Für die Verteilung des Saatgutes wurde in Kooperation mit der Schura ein Verteilungsschlüssel festgelegt, demzufolge das Saatgut an Bauern in 61 Dörfern verteilt wurde.


Zudem haben wir, mit Mitteln der Initiative, den Neubau einer Schule mitfinanziert und an bereits bestehenden Schulen des Distrikts systematisch Schulartikel verteilt. Auch Gehhilfen hatten wir unterwegs dabei und haben sie nach Bedarf weitergegeben. Die medizinische Situation zeichnete sich durch häufige Kriegsfolgen, Unterernährung, Kinderlähmung, Blutarmut (speziell bei Frauen) und parasitäre Hauterkrankungen aus. Die einzige Klinik in Adreskan ist personell und materiell gänzlich unzureichend ausgestattet. Mit Rollstühlen und Medikamenten konnten wir ein wenig unterstützen.


Ein weiterer Schwerpunkt unserer Hilfe galt auch dem Großraum Herat. Hier wurde insbesondere an Witwen und deren Familien verteilt. Wir haben eine Nomaden­siedlung sowie eine Ansiedlung von Flüchtlingen, schwerpunktmäßig aus dem Hazarajat, mit Hilfsgut versehen. Des weiteren erreichte 70 in absoluter Armut lebende Familien, BewohnerInnen eines innerstädtischen Flüchtlingslagers und zahlreiche Einzelpersonen in Herat unsere Hilfe. Das medizinische Hilfsmaterial, soweit nicht im Distrikt Adreskan verteilt, haben wir in die kompetenten Hände eines, nach der Erfahrung der 1. Nothilfe, vertrauenswürdigen Mediziners geleitet. Er hat uns einen detaillierten Verteilungsschlüssel vorgestellt. Ein Großteil kommt dem Krankenhaus Herat zugute.


Wir wurden in den verschiedenen Zielgebieten immer gastfreundlich aufgenommen. Viele Menschen, denen unsere Hilfe galt, haben sich uns angeschlossen und mitgewirkt. Wir haben immer wieder die große Freude und Dankbarkeit gespürt, die uns die Menschen entgegengebracht haben; teilweise kam es hierbei auch zu rührenden Szenen, etwa, als eine Frau, die vorher auf allen Vieren kroch, sich über einen neuen Rollstuhl freute oder einer Gruppe von Nomadenmädchen, die uns spontan ein Dankeslied sangen.
 

 

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