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Auf einen Blick

Foto: Schafe beim Grasen

Ort

Schotordaran, ca. 25 km nördlich von Herat
 

Status

Projekt läuft
 

Ansprechpartnerinnen

Masuod Farhatyar
Irena Nazary
Thomas Schindler
Rateb Azimi
Yvonne El Saman

Schotordaran

Die kleine Halbnomadensiedlung (*1) Schotordaran (*2) liegt nördlich von Herat und war nie von den Hilfsprojekten der großen Hilfsorganisationen erreicht worden. 2004 bei den Dreharbeiten für die Dokumentation „Mit Nomaden unterwegs“ (SWR/ARTE), für die Masuod Farhatyar die Aufnahmeleitung machte, entstand die Idee, die DAI könne in Schotordaran Hilfsprojekte durchführen.

 

Impressionen - Nomadenhilfe Schotordaran
Zur Bildergalerie (12 Bilder)

 

Seitdem wurden drei erfolgreiche Hilfsprojekte durchgeführt:

 

 


 

Schulgebäude

Das erste Hilfsprojekt war die Errichtung eines Schulgebäudes. Der Architekt war Thomas Schindler aus Waldkirch. Die Schule von Schotordaran ist vorbildlich, denn durch die Verwendung regionaler Baumaterialien (Lehmziegel, Lehm) waren ihre Baukosten mit 5000,- Euro außerordentlich niedrig. Heute besuchen Kinder aus sechs Dörfern diese Schule, die ein Beispiel dafür ist, dass man auch mit wenig Geld wertvolle Hilfe leisten kann. Die ständige Hilfe, die Paten und die Freiburger Anne-Frank-Schule zudem seither leisten, kommt dem ganzen Dorf zugute. Die Kinder-Patenschaften betreuen mit großem Einsatz von Beginn an in Freiburg Irena Nazary und Peter Adler sowie Rateb Azimi und Naim Hosseini neben ihren vielen anderen Aktivitäten für die DAI von Herat aus.

 

 

 

Brunnen

2008 ließ die DAI einen Brunnen bohren. Ein Unternehmen, das beinahe gescheitert wäre, denn bei 150 m Tiefe war noch immer kein Wasser gefunden worden. Die Bewohner baten inständig, noch etwas tiefer zu bohren, und tatsächlich fanden wir in165m Tiefe eine ergiebige Wasserader. Seitdem ist die Wasserversorgung für drei kleine Dörfer gesichert. Es entwickelt sich ein sehr bescheidener Landbau und viele verlagern ihre Häuser oder Zelte direkt zum Brunnen. Auch andere Nomaden ziehen hier vorbei. Viele träumen von der Wiederbelebung eines kleinen Handelszentrums. Dazu würde auch eine kleine Karawanserei passen, wie sie früher in dieser Gegend schon einmal existiert hat und in der der Güteraustausch zwischen vorbeiziehenden Nomaden und Dorfbewohnern stattfand.

 

 

 

Hammam

Dieser Brunnen speist unter anderem das von der DAI gebaute, vor kurzem fertiggestellte Hammam (eine Art Volksbad, öffentliches Badehaus). Nach unserem Wissen ist es das erste in Afghanistan mit ausländischer Hilfe errichtete Hammam.

 

Dabei sind die Volksbäder in Afghanistan außerordentlich wichtig, denn viele Afghanen besitzen keine eigenen Bäder mit Duschen oder Badewannen. Sie bedeuten eine Verbesserung der hygienischen Verhältnisse und tragen damit auch zur Vermeidung von Krankheiten bei. Darüber hinaus sind Hammams Begegnungsstätten für Frauen, an denen sie sich ganze Nachmittage lang aufhalten und haben so auch eine wichtige soziale Funktion. In größeren Städten wie Herat gibt es zahlreiche Hammams, die bis heute ihre Funktion für die Bevölkerung erfüllen, aber in kleinen Siedlungen wie Schotordaran und in seiner Umgebung gibt es sie nicht.


So wird das Hammam von Schotordaran, ähnlich wie die Schule und der Brunnen auch den Leute aus den Nachbarorten zugute kommen. Die DAI und besonders die Projektleiter hoffen, dass durch das Hammam in Schotordaran die hygienebedingten Kinderkrankheiten zurückgehen.

 

Die Nachfrage nach öffentlichen Badehäusern ist groß. Der Bauplan des Architekten Thomas Schindler wurde so begeistert aufgenommen, dass mehrfach Anfragen kamen, den Plan auch anderswo zu kopieren.

 

Es ist vorgesehen, die bescheidene solare Stromversorgung, die inzwischen in Schotordaran existiert, zur Beheizung des Hammam einzusetzen.

 

Seit einigen Tagen ist das Hammam in Gebrauch. Der Lehrer, der den Betrieb für die Bevölkerung übernommen hat, rief in Freiburg an und berichtete, die Kinder seien so begeistert, dass sie das Hammam gar nicht mehr verlassen wollten.

 

Nach der Schule und dem Brunnen bildet das Hammam eine deutliche Verbesserung der Lebensumstände der Bewohner Schotordarans. Da davon auch die umliegenden Dörfer profitieren, wird der Ort zu einem kleinen Zentrum.

 

Die Projekte in Schotordaran fördern die lokale Dorfstruktur und leisten einen Beitrag zur Verhinderung der Landflucht.

 

Fußnoten

(*1) Halbnomadismus ist eine Zwischenstufe zwischen dem Nomadismus und der Sesshaftigkeit, bei dem nomadische Viehzucht mit sesshaftem Feldbau kombin iert wird. Diese Wirtschaftsweise ist in zentralasiatischen Gebirgsregionen verbreitet. Im Sommer zieht die gesamte Gruppe mit ihrem Vieh umher und betreibt bei längeren Aufenthalten an einem Ort eventuell Regenfeldbau. Im Winterhalbjahr dominieren fixe Behausungen in Dörfern und Bewässerungsfeldbau.

(*2) Schotor-daran bedeutet wörtlich: »die Kamele habenden«.


 

 

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