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	<title>Blog der Deutsch Afghanische Initiative &#187; Rateb Azimi</title>
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		<title>Alles, was mit Euphorie in Afghanistan begann, endete im irdischen Jammertal.</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Apr 2007 12:53:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rateb Azimi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aus Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungen]]></category>

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		<description><![CDATA[In Afghanistan h&#228;tte man lieber mit dem Aufr&#228;umen begin­nen sollen bevor man den Wiederaufbau in Angriff genom­men hat. Was nutzt der Wiederaufbau, wenn der Frieden in weiter Ferne liegt? Warlords, die durch ihre Gewehr-Macht das Land in Schutt und Asche gelegt haben, bestimmen heute &#252;ber die Geschicke des Landes. Der erste und schwerwiegen­de Fehler der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Afghanistan h&#228;tte man lieber mit dem Aufr&#228;umen begin­nen sollen bevor man den Wiederaufbau in Angriff genom­men hat. Was nutzt der Wiederaufbau, wenn der Frieden in weiter Ferne liegt? Warlords, die durch ihre Gewehr-Macht das Land in Schutt und Asche gelegt haben, bestimmen heute &#252;ber die Geschicke des Landes. <span id="more-34"></span>Der erste und schwerwiegen­de Fehler der US-Regierung war es, sich mit den Truppen der Nordallianz unter der F&#252;hrung der Jamiat-e Islami zusammen zuschlie&#223;en. W&#228;hrend das amerikanische Milit&#228;r die Inter­ven­tion weitgehend aus der Luft f&#252;hrte, waren es die Truppen der Nordallianz, die am 13. November die Macht in Kabul ein­marschierten. Dabei h&#228;tten die US-Regierung wissen m&#252;s­sen, dass Kompromisse und Allianzen mit Kriegsf&#252;hrern sel­ten von langfristigem Bestand in der afghanischen Ge­schich­te waren.</p>
<p>Es gibt ein afghanisches Sprichwort, das folgenderma&#223;en lautet: Es ist nicht m&#246;glich, dass man in den heiligen Krieg zieht, Sieger wird, den M&#228;rtyrer Tod sich erheischt, und an­schlie­&#223;end heil nach Hause zur&#252;ckkehrt. Das Mandat von ISAF beschr&#228;nkte sich zu Beginn auf den Raum Kabul, den Rest &#252;berlie&#223; man den Warlords und Kriegsf&#252;rsten. Auf diese Weise wurden sie ermutigt, sich aus ihrer Deckung vorzu­wagen und schrittweise ihre Machtstrukturen wieder auszu­bauen. Ihre neu gewonnene Macht verhinderte zudem, dass das Volk selbst mit den Kriegsverbrechern abrechnete. Selbst im Parlament konnten sie sich etablieren. Ein Gro&#223;teil der Kan­didaten war an Kriegshandlungen beteiligt und werden von Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch f&#252;r Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht. Die von der UNAMA vorgegebenen Kriterien f&#252;r die Zulassung der Kan­di­daten wurden von vielen ganz offensichtlich nicht erf&#252;llt. Dennoch unterlie&#223;en es UNAMA und die afghanische Regie­rung, diese Kandidaten von der Wahl auszuschlie&#223;en. Auch die europ&#228;ischen Regierungen und die US-Administration &#252;bten kaum Druck auf die Zust&#228;ndigen aus, die selbst aufge­stellten Verfahrensregeln auch konsequent durchzusetzen. Im Ergebnis hat dies dazu gef&#252;hrt, dass das Parlament heute von Gefolgsleuten und Anh&#228;ngern der Mudschaheddin-Gruppen kontrolliert wird. Mit ihrer ihre parlamentarischen Mehrheit haben sie vor wenigen Wochen unter dem Vorwand der na­tio­nalen Auss&#246;hnung in beiden Kammern des Parlaments ein Gesetzt verabschiedet, das ihre Beteiligung an Kriegs­ver­bre­chen von der Strafverfolgung ausnehmen w&#252;rde.</p>
<p>Afghanistan hatte nach der Vertreibung der Taliban gute Ausgangsbedingungen f&#252;r eine bessere Zukunft. Die Sympa­thie der Weltgemeinschaft war auf der Seite des afghanischen Volkes. Bedauerlicherweise hat die Hilfsbereitschaft der Inter­nationalen Gemeinschaft und deren finanzielle Unterst&#252;tzung in Milliardenh&#246;he nicht die breite Masse der Bev&#246;lkerung er­reicht. Korruption, Vetternwirtschaft, aber auch die Unzu­l&#228;ng­lichkeiten und mangelnde Kompetenz mancher ausl&#228;ndi­schen Organisationen waren die wesentlichen Gr&#252;nde hierf&#252;r.</p>
<p><strong>Wie sieht die gegenw&#228;rtige Lage in Afghanistan aus?</strong><br />
Zur Zeit erleben wir eine unselige Allianz zwischen Warlords, der Drogen-Mafia, den Taliban und den Nachbarstaaten. Der Anbau vom Opium ist explosionsartig angestiegen. Die Bauern in Afghanistan; die 70% der Bev&#246;lkerung des Landes ausmachen, werden von den Warlords und der Drogen-Mafia mit dem Anbau vom Opium beauftragt. Die gut gemeinte Hilfs­lieferung von Getreide und Weizen aus dem Ausland tragen das ihrige zu der Zunahme des Opium-Anbaus bei: durch die internationalen Hilfslieferung sind die Preise f&#252;r Weizen auf den einheimischen M&#228;rkten derart gesunken, dass der Weizenanbau nicht mehr das Existenzminimum der Bauern sichert. Opium ben&#246;tigt wenig Wasser, verdirbt nicht, hat geringe Lagerungskosten, und die Nachfrage bleibt konstant.</p>
<p>Der Erl&#246;s des Drogenanbaus geht in die Taschen von Schmugglern, der Drogen-Mafia und den Warlords. Selbst die Taliban finanzieren ihren Kampf gegen die Regierung und die Truppen der NATO aus diesen Opiumgeldern. Der Kampf der Regierung gegen den Anbau von Opium findet dort statt, wo die Bauern eher regierungsfreundlich gesonnen sind, und nicht dort, wo die Taliban Einfluss haben. Diese Ungleich­be­handlung f&#252;hrt weiter zum Unmut der Bauern.</p>
<p>Der Krieg, der in diesem Lande entfacht ist, ist ein Krieg zwischen der NATO und den bereits erw&#228;hnten Gruppen. Leid­tragende dieses Krieges ist wieder das einfache Volk, das nun seit drei&#223;ig Jahren nicht anderes kennt au&#223;er Krieg. Da­bei hatte man viel Hoffnung in die Regierung Karzai gesetzt. Viele, die als Fl&#252;chtlinge in Iran und Pakistan sich durch harte Arbeit eine Existenz gesichert hatten, kehrten Hals &#252;ber Kopf in ihre Heimat zur&#252;ck. Zu Beginn war das Investitionsklima euphorisch, was zu einer Zunahme der Arbeitspl&#228;tze gef&#252;hrt hat. Vor allem Exzilafghanen aus dem westlichen Ausland haben durch den Wiederaufbau ihrer H&#228;user, aber auch durch Investitionen im Industrie-Sektor zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen. Nach dem Motto, man investiert dort, wo sich eine Zukunftsperspektive biete, haben viele afgha­nische Investoren nach der Verschlechterung der Sicher­heitslage dem Land den R&#252;cken gekehrt. Die NATO-Soldaten, die hier stationiert sind, k&#246;nnen nicht als Motor der Wirt­schaft fungieren, da sie alle ihre Grundbed&#252;rfnisse, sogar das Trinkwasser, aus dem Ausland importieren, und aus Sicher­heits­gr&#252;nden die Basare nicht besuchen. Die Kaufkraft der breiten Masse wird immer schw&#228;cher, da Teile des Opium­geldes, das fr&#252;her im Lande ausgegeben wurde, heute im Ausland geparkt wird.</p>
<p>Demokratie, Pressefreiheit, Menschenrechte waren Be­griffe, die neu erlernt werden mussten. Fr&#252;her wurde ein Dieb durch Folter zum Gest&#228;ndnis gezwungen, heute gibt es eine Menschenrechts-Kommission. Die Wiedereinf&#252;hrung der Folter, um die Kriminalit&#228;t zu bek&#228;mpfen ist abwegig, klar ist jedoch, dass die Polizeiausbildung und -ausstattung verbes­sert werden muss, da die Schwelle der Kriminalit&#228;t bei an­dauernden Kriegen und Armut immer weiter sinkt. Es gibt eine erschreckende Zunahme der Kriminalit&#228;t, was wiederum zu Unzufriedenheit in der Bev&#246;lkerung f&#252;hrt und als Schw&#228;­che der Regierung ausgelegt wird. Manche sehnen sich nach der Zeit der Taliban zur&#252;ck, weil damals zumindest die Sicher­heit gew&#228;hrleistet war, auch wenn dies auf Kosten der elementaren Freiheiten ging. Heute ist es lebensgef&#228;hrlich mit dem Auto von Herat nach Kabul zu reisen.</p>
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